Auf welche Bauweisen treffen wir im Gelände?

Der Blockbau

Wird ein Gebäude nicht aus Stein, sondern aus Holz erstellt, ist neben dem Ständerbau und dem Fachwerkbau als Drittes der Blockbau eine der häufigen Techniken. Er wird auch Strickbau genannt und ist einfach zu bewerkstelligen.

Die einzelnen Bäume werden waagrecht aufeinander gelegt, an ihren Enden eingeschnitten und übereinander gekreuzt bzw. „gestrickt“. So stehen an allen vier Gebäudeecken die Köpfe der Wandbäume vor, die Blockvorstösse (im Walliser Dialekt „Gwätti“). Diese solide und dauerhafte Technik haben archäologische Grabungen im Wallis bereits in keltischer Zeit nachgewiesen (letztes Jahrtausend vor Christus).

Nun gibt es beim Blockbau drei Möglichkeiten, in welchem Zustand man die Bäume für den Bau verwendet: Man belässt sie rund und es gibt einen Rundholzbau. Oder man spaltet die Bäume entzwei und zieht die Wände des Gebäudes aus Hälblingen hoch. Oder man nimmt eine Säge oder ein breitklingiges Beil, begradigt die vier Seiten des Stammes und erhält Kanthölzer, aus denen ein Kantholzblockbau entsteht – das ist im Wallis die häufigste Art und auch in Zermatt wurden die meisten Gebäude in dieser Technik erstellt.

Welche Gebäudetypen unterscheiden wir?

Die Stallscheune

Unter den traditionellen Gebäuden kommt die Stallscheune am häufigsten vor. Stallscheunen gibt es nicht nur in den Dörfern recht viele. Sie stehen auch zerstreut im Gelände, oft weit hinauf bis in jene Gegend, wo die Weiden der Sommeralpen beginnen. Der Grund ist offensichtlich: Das Vieh ist die zentrale Lebensbasis des Bauern. Für seine Kühe, Schafe und Ziegen baut er einen eigenen Gebäudetyp, die Stallscheune. Im Oberteil wird im Sommer das Heu von den Wiesen eingebracht. Im Winter verfüttert man es an die Tiere, die darunter im Stall sind. Aber warum tut man das nicht rationell an einem einzigen Ort, bequemerweise unten im Dorf?

Strassen gab es im Gebirge keine, Motoren und Maschinen waren noch unbekannt. Es hätte enorme Kräfte erfordert, alles Heu von überall her in eine einzige grosse Stallscheune im Dorf zu bringen. Leichter war es, mit dem Vieh zu den Heuvorräten umzuziehen – daher entstanden an den verschiedensten Orten im Gelände die Stallscheunen.

Inzwischen ist die Landwirtschaft in den Berggebieten stark zurückge- gangen. Und dank dem Bau von Strassen wurde der Heutransport an einen zentralen Ort möglich. So stehen viele dieser Stallscheunen heute leer.

Der Stadel

Wie die Stallscheunen stehen auch die Stadel sowohl in den Dörfern als auch zerstreut im Gelände. Zwar gibt es deutlich weniger Stadel als Stallscheunen. Doch immerhin: Das Getreide, das im Stadel lagert, war dem Bauern so wichtig, dass er dafür ein eigenes Gebäude erfand, eben den Stadel. Er wird auch Garbenscheune genannt, weil die Getreidegarben hier eingelagert werden. Der Baukörper mit dem eigentlichen Lagerraum steht auf Stützeln. Diese Holzbeine heben den Bau von der Bodenfeuchtigkeit ab. Die zirkulierende Luft verhindert Fäulnis. Die Steinplatten auf den Holzstützen erschweren den Mäusen und anderen gefrässigen Schädlingen den Zugang. Durch den Mittelteil des Gebäudes verläuft das Dreschtenn, ein massiver Boden aus dicken Holzbohlen, auf denen im Winter das Getreide gedroschen wurde. Manchmal kragt der oberste Teil der Stadel-Giebelseite über den Gebäudekörper hervor; er heisst im Dialekt „Üs-Schuss“, sorgt für zusätzlichen Lagerraum und deckt den darunterliegenden Eingangsbereich.

Der Speicher

Der Speicher (Dialekt: dr Schpiicher) war so etwas wie die Schatztruhe des Bauern. Allerdings muss man sich diese bescheiden vorstellen: Hier lagerten nicht enorme Reichtümer, sondern Trockenfleisch, Schinken, Speck und Würste sowie Getreidekörner. Als lang haltbare Nahrungsvorräte sicherten sie das Überleben. Auch ein paar Habseligkeiten und Kleider fanden hier Platz. Der Speicher ist daher immer verschliessbar und die Hölzer der Wände sind dicht aufeinandergeschichtet, damit weder Schädlinge noch Langfinger Zugang haben. Zusätzlich steht der Speicher (wie auch der Stadel) auf Holzbeinen, damit die Feuchtigkeit des Bodens nicht ins Gebäude aufsteigt und die Nahrungsmittel zum Schimmeln bringt. Die Steinplatten sind statisch ein gutes Auflager für den schweren Baukörper auf den feinen Stützeln – und sie können Nager am Eindringen hindern.

Unterschied zwischen Stadel und Speicher

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Das Wohnhaus

Die 500 bis 600jährigen Wohnhäuser besitzen einen niedrigen Steinsockel. Darauf steht der Holzbau, der als solider Kantholzblockbau aufgeführt ist. Seine Hölzer weisen oft die typische Unregelmässigkeit der Bearbeitung mit dem Breitbeil auf. Der Bau zählt in der Regel ein Wohngeschoss und darüber ein Kammergeschoss. Ein Schindel- oder ein Steinplattendach deckt den Bau.

Die Hauptfront ist der Sonne zugekehrt und oft haben sich hier die kleinen, lukenartigen Fenster erhalten. Teils sind sie quadratisch aus der Blockwand ausgehauen und messen um die 20×20 cm, teils sind sie hochrechteckig konzipiert und können 30×50 cm gross sein. Mit Seelenglozzen – durch die kleinen Öffnungen sollen laut einer modernen Legende die Seelen der Sterbenden ins Freie geschwebt sein – haben diese Fenster nichts zu tun. Es handelt sich um absichtlich klein gehaltene Fenster, denn man wollte im Winter unnötigen Wärmeverlust vermeiden. Als Bauer war man ja bereits genügend draussen an der Luft und am Licht… Erst spätere Generationen vergrösserten hie und da die alten Fenster dieser Häuser.

Dem Thema „Seelenfenster“ wird auf den weiteren Stationen des Kulturwegs ein eigener Beitrag gewidmet sein.

Im ebenerdigen Wohngeschoss liegt talseitig die Wohnstube, im Winter der einzige einigermassen heizbare Raum des Hauses. Bergseitig befindet sich die Rauchküche mit der offenen Feuerstelle. Im Obergeschoss liegt in der Dachschräge eine niedrige Kammer. 

Seit dem Ende des Mittelalters werden die Häuser stattlicher und grösser: Die Fassaden sind breiter, zur Stube kommt eine seitliche Nebenstube hinzu. Die Häuser werden auch höher, ein zweites oder sogar ein drittes Stockwerk wird aufgebaut. Die Fenster plant man grösser, auch wenn Glas noch selten und teuer ist.

Was ist Dendrochronologie?

Fingerabdrücke der Zeit – in Holz

Rund um Zermatt stossen wir immer wieder auf alte Gebäude mit verwitterten Holzwänden. Wir möchten wissen, wann diese Bauten errichtet wurden. Einige tragen Jahrzahlen und wir lesen 1600 und etwas, 1700 und so weiter. Andere Gebäude, die noch altertümlicher anmuten, tragen weder eine Jahreszahl noch eine Inschrift. Wie weiter?

Hier kommt die Dendrochronologie zum Einsatz. Ihr Name leitet sich aus dem Griechischen ab: dendron heisst Baum, chronos ist die Zeit und logos ist die Wissenschaft, die Lehre von etwas. Also Baumzeitlehre. Wir finden damit das Alter von Hölzern heraus.

Und das geht so: Wie wir Menschen Fingerabdrücke hinterlassen, die einzigartig sind, haben auch die Bäume je nach Standort und Klima ihre speziellen Jahrringe. Die Abfolge dieser Jahrringe ist einmalig wie ein Fingerabdruck. Die Sequenz der Jahrringe des 20. Jahrhunderts beispielsweise ergibt ein ganz anderes Bild als etwa die des 19. oder des 16. Jahrhunderts. Durch Einpassen in die entsprechende Jahrringsequenz können Holzstücke sogar auf ihre jeweilige Vegetationsphase hin genau datiert werden, das heisst: Ob sie im Frühling, Sommer oder Herbst gefällt wurden. Damit ist die Dendrochronologie die genaueste Datierungsmethode für Holz.

Martin Schmidhalter mit seinem Labor Dendrosuisse in Brig sucht an alten Gebäuden zuerst einmal Hölzer mit einer Waldkante, dem letzten Jahrring, also nahe der Rinde. Mit einem Bohrer entnimmt er eine Probe von der Dicke und Länge eines Bleistiftes. Sorgfältig legt er die Holzprobe in ein schützendes Plastikprofil, nummeriert sie und beprobt weitere Hölzer, die erfolgversprechend aussehen.

Die nächste Arbeit geschieht im Labor: Der Blick ins Mikroskop ist oft ernüchternd, weil die eine oder die andere Probe zu weit von der Waldkante entfernt ist. Man sieht das letzte Jahr nicht, in dem der Baum wuchs und dann gefällt wurde. Andere Proben haben Jahre mit nahezu Null Wachstum, weil der Lärchenwickler aktiv war. Dies ist ein Schädling, der in regelmässigen Abständen ganze Wälder befällt und den Bäumen so viel Nahrung abzieht, dass ihre Stämme kaum mehr ein Wachstum zeigen. Dritte Proben zerbröseln, das Holz ist alt und morsch. Oft muss man zwei, drei oder vier Mal zum selben Gebäude zurückkehren und neue Proben entnehmen, auch um die Abfolge verschiedener Bauphasen richtig zu deuten. Der Dendrochronologe ist ein Gebäudedetektiv mit einer Menge von Geduld.

Wie gelangen wir nun zum Resultat? Durch Überlappung bestehender Jahrringkurven mit älteren Kurven kann eine Chronologie aufgebaut und auf der Zeitachse immer weiter zurück verfolgt werden. Aus alten, lebenden Bäumen ersehen wir die Jahrringkurven der letzten paar hundert Jahre, maximal 600 bis 700 Jahre zurück. Alte Gebäude (Holzhäuser, Burgen, Schlösser, Kirchtürme) weisen noch ältere Bauhölzer auf, deren Anfänge maximal ins 7. oder 8. Jahrhundert zurückreichen. Mit Hölzern aus Seen, Mooren und Gletschern (sogenannte Subfossilien) lässt sich der Jahrringkalender bis zur letzten Eiszeit zurückverfolgen, die in den Alpen um 13’000 vor Christus endete. Solche Hölzer wurden auch in Zermatt gefunden, namentlich am Gorner- und am Zmuttgletscher. Dank seiner inzwischen über 20jährigen Forschungsarbeit kann Martin Schmidhalter nicht nur Aussagen über die ältesten Bauten machen, sondern auch über den Stand der Gletscher und das Klima.

Die Gebäude und ihre Zeit

Fingerabrücke der Zeit – in Holz

Von Werner Bellwald, Mai 2023

Wir sahen Gebäude und Jahreszahlen, wir sahen Landschaften und darin die Spuren der früheren Berglandwirtschaft. Damit wurde verständlich, welche Aufgabe die alten Bauten einst erfüllten. Doch was wissen wir von den Lebensumständen der damaligen Bewohner? Wer waren diese Leute, die hier vor 500, 600 oder 700 Jahren als Bauern in kleinen Häusern wohnten und ihr Getreide in die Stadel trugen? Wie sahen die politischen, die wirtschaftlichen, die gesellschaftlichen Verhältnisse aus? Und wann finden wir überhaupt die ersten Spuren menschlicher Anwesenheit im Gebiet von Zermatt?

Das Mattertal, auch Nikolaital genannt, ist eines der südlichen Walliser Seitentäler. Es beginnt unweit von Visp bei Stalden und umfasst talaufwärts die Gemeinden St. Niklaus, Randa und Täsch und als oberste Gemeinde Zermatt auf 1600 m ü. M. Heute zählt Zermatt um die 6000 Bewohner und 30’000 Gästebetten. Das 30 Kilometer lange Tal endet in der Gebirgsarena des Monte Rosa, des Matterhorns und weiterer Viertausender, von wo Pässe nach Süden und Westen führen. Die wichtigsten sind wohl der Theo- dulpass 3295 m ü. M. und der Col d’Hérens 3459 m ü. M. Diesen Übergängen kam zu verschiedenen Zeiten mehr als nur lokale Bedeutung zu.

Die frühesten menschlichen Spuren im Gebiet von Zermatt weisen auf eine sporadische Anwesenheit von Jägern und Sammlern: bei einem Felsunterstand auf der Alp Hermettji fanden Archäologen Spuren, die bis in die Zeit um 7’900 v. Chr. zurückreichen. Wir befinden uns im Mesolithikum, der Mittelsteinzeit (ca. 10’000–5’500 v. Chr.). Der Rastplatz unter dem Felsunterstand auf 2600 Metern Höhe wurde auch im Neolithikum besetzt (Jungsteinzeit, ca. 5’000–2’000 v. Chr.).

Eine sesshafte Bevölkerung ist erst für die letzten vorchristlichen Jahrhun- derte anzunehmen. Damals kam es in den Walliser Seitentälern erstmals zu einer ganzjährigen Besiedlung, wobei es sich um kleinere Bevölkerungsgruppen gehandelt haben dürfte. In bescheidenen Siedlungen wohnten im oberen Rhonetal Uberer, Angehörige eines keltischen Stammes. Aus dieser Zeit wurde in Zermatt bei Bauarbeiten am Hotel Monte Rosa 1868 und 1884 eine jungeisenzeitliche (letzte Jahrhunderte v. Christus) Töpferwerkstatt gefunden, eine ebensolche in den 1990er Jahren auf dem Furi (380–120 v. Chr.), die bis in römische und nachrömische Zeit betrieben wurde. Mit der Eroberung des Alpenraums um die Zeitenwende war auch das Wallis unter römische Herrschaft geraten; zahlreiche Münzfunde belegen die rege Benutzung des Theodulpasses in jener Epoche, in der die keltische Bevölkerung kulturell und sprachlich „romanisiert“ wurde.

Eine nächste, tiefgreifende Veränderung erfolgte knapp tausend Jahre später: Deutschsprachige Alemannen hatten seit dem 4. Jahrhundert den Rhein überschritten und Schritt für Schritt die heutige Deutschschweiz besiedelt. Um 700 war auch die Gegend des Thuner- und Brienzersees in ihrer Hand und sie begannen im 8. und 9. Jahrhundert, die Alpenpässe zu überschreiten und das Wallis zu kolonisieren. Um die Jahrtausendwende hatten sie das heutige Oberwallis zwischen der Furka und mindestens Raron/Steg besiedelt. Professor Iwar Werlen, der mit seinem Team das Orts- und Flurnamenbuch des Oberwallis vorbereitet, analysiert, dass die meisten Orts- und Flurnamen des Mattertales und auch der Umgebung von Zermatt deutsche Wurzeln aufweisen. Das zuvor eine Frühform des frankoprovenzalischen Dialektes sprechende Gebiet wurde im Zuge dieser alemannischen Landnahme deutsch. Vor allem besiedelten die Neuankömmlinge das Gebiet intensiver. Zahlreiche Einzelhöfe und viele kleine Weilersiedlungen überzogen nun Berg und Tal, es kam zu einem eigentlichen Kolonisierungsschub.

In dieser Zeit sind wir auch über die Herrschaftsverhältnisse unterrichtet. Politisch unterstand man in Zermatt dem Bischof von Sitten. Dieser war seit 999 nicht nur geistlicher, sondern auch weltlicher Landesherr des Wallis.

Begreiflicherweise nahm er die Verwaltungsaufgaben nicht selber wahr, sondern beauftragte dazu landauf landab seine Beamten. Diese zogen die Zehntabgaben ein, boten zum Kriegsdienst auf oder hielten beispielsweise Gericht. Im Tal von Zermatt war es ein Viztum, von der lateinischen Bezeichnung Vice-Dominus, modern gesagt ein Stellvertreter des Chefs, eben des Bischofs. Der Viztum übernahm Verwaltungsaufgaben, sorgte für Recht und Ordnung, war für Polizeiaufgaben und Steuern zuständig. Im 13. und 14. Jahrhundert nahmen die Grafen von Savoyen, aber auch Adelige wie das Haus Raron, die Asperlin, die Biandrate oder die Freiherren von Turn (mit ihrer grossen Stammburg bei Niedergesteln im Rhonetal) im Tal von Zermatt ihre Herrschaftsrechte wahr. In jener Epoche, im Jahr 1280, weiss man auch, dass Zermatt schon über einen eigenen Pfarrer verfügte. 1280 und 1285 wird Zermatt erstmals schriftlich als Pratobornum und als Pra Borno, 1350 als Praborgne und Praborny erwähnt. Der einstige Staatsarchivar Leo Meyer interpretierte den Namen als lateinische Form von Lochmatten (pratum = Wiese, Matte; borno = Mulde, Loch, Senke) – doch nennen Urkunden, Literatur und mündliche Überlieferung nie eine Lochmatte; Praborno beziehungsweise Pratobornum wird heute als Wiese mit zahlreichen Wassern (Quellen) oder Matte in einem Quellgebiet gedeutet, was für die Ebene und die ringsum zufliessenden Bäche auch zutrifft.

Als die Macht des Adelshauses von Turn in den 1370er Jahren gebrochen wurde, übten andere Walliser Adelsfamilien im Tal von Zermatt die Justiz und die Verwaltung aus: die Adelsfamilie der von Raron und die Esperlin, ebenfalls aus Raron. Doch wie an den meisten Orten im Verlauf des Spätmittelalters, verloren die adeligen Familien auch hier ihre Positionen. Einheimische Führungsfamilien nahmen ihnen die Macht ab. Schon 1365 verkaufte die Adelsfamilie der Biandrate (Visp) ihre Rechte über Zermatt an die Familie de Platea; 1515 veräusserten die Esperlin ihre Rechte über 115 Haushaltungen an die de Werra. Von diesen sogenannten Patriotenfamilien wiederum begannen sich die Zermatter nach 1500 Schritt für Schritt loszukaufen: 1538 von den de Werra in Leuk, 1562 von den Perrini in Leuk, 1618 von den de Platea in Visp. Zu Beginn dieser Epoche wird Zermatt auch erstmals in deutscher Sprache schriftlich fassbar und heisst 1495 Zer Matt – zur Matte: Tatsächlich liegt die Siedlung mitten im schroffen Bergtal auf einer ausgedehnten Wiesenfläche, im Dialekt ,Matte’ genannt.

Im Spätmittelalter geschieht etwas Weiteres, was unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht: Eine Auswanderung aus Zermatt, die sich in den Jahrzehnten zwischen 1400 und 1450 in grösserem Umfang in den Archiven belegen lässt. Der nach Westen führende Col d’Hérens erschliesst den Zermattern ihre Auswanderungsziele: erstens im Eringtal die Siedlungen auf dem heutigen Gemeindeterritorium von Evolène und von St-Martin, zweitens am Talausgang die Stadt Sitten und ihre umliegenden Dörfer, vor allem Bramois (deutsch: Brämis), aber auch die südexponierte, rechtsufrige Talflanke des Rhonetals oberhalb Sitten. Die Auswanderung muss zahlenmässig bedeutend gewesen sein: Um 1500 ist etwa ein Drittel der Bevölkerung Evolènes und Saint Martins deutschsprachig.

Die Gründe für diese Auswanderung sind nur zu vermuten. Auffallend ist, dass eine eigentliche Auswanderungswelle in Richtung Mittelwallis in die Zeit merklicher Klimaverschlechterung fällt. Denkbar ist folgende Erklärung: Sowohl im Zeitraum 1120–1190 als auch zwischen ca. 1350 und 1400 weisen die Zermatter Werte auf eine Klimagunst, die teils mit dem allgemeinen hochmittelalterlichen Klimaoptimum übereinstimmen. Das Getreide gedieh auch in den obersten Regionen, die Gletscher hatten sich mindestens auf den heutigen Stand zurückgezogen, die Bauern lebten und wirtschafteten in Höhenlagen, die heute über der Grenze des Machbaren liegen. Zwar war die Klimagunst nach 1200 ein erstes Mal für die Dauer einer Generation eingebrochen. Die Zeit 1400–1450 brachte einen zweiten, schon härteren klimatischen Dämpfer: Seit den 1390er Jahren begannen die Jahresdurchschnittstemperaturen zu sinken. Sie fielen weiter und sollten sich erst nach 1450 langsam wieder erholen – ein Vorgeschmack auf das, was später als Kleine Eiszeit in die Geschichte eingehen sollte. 1665 sollten die Zermatter schreiben, ihre Pfarrei sei „montibus et glaciebus perpetuis simul et collibus nivibus onustis circumdata“ – von Bergen und zugleich ewigen Gletschern und schneebeladenen Höhen umgeben.

Genau für diese Jahre nach 1400 beobachtete der Historiker Hans-Robert Ammann, der sich intensiv mit der spätmittelalterlichen Zermatter Emigration beschäftigte, in den Notariatsakten zahlreiche Immobiliengeschäfte ausgewanderter Zermatter. Deren Zunahme seit den 1420er Jahren und eine Massierung in den 1430er und 1440er Jahren fallen zusammen mit dem für Zermatt und einem allgemein feststellbaren Klimatief. Offenbar war der Talkessel von Zermatt in den Generationen zuvor stark besiedelt und viele Gebiete urbar gemacht worden. Dank dem guten Klima konnte man viele Köpfe ernähren, die Bevölkerung war angewachsen.

Auch Hans-Robert Ammann sieht in dieser demografischen Entwicklung einen der Hauptgründe der Emigration, wohl in Kombination mit den klimatischen Verhältnissen und allenfalls persönlichen Motiven. Ammann nennt das Beispiel von 12 Zermattern, die 1412–1427 Sittener Bürger wurden und von denen drei Kaufleute waren, die sich wohl aus kommerziellen Interessen in der Hauptstadt niederliessen. Politische Gründe schliesst Ammann eher aus und analysiert, dass der Steuerdruck im Tal von Zermatt kein überdurchschnittlich hoher gewesen sei. Auch der Übergang der Rechte von den Adels- an die Patriotenfamilien dürfte hier keinen direkten Einfluss auf das Migrationsverhalten ausgeübt haben.

Einen Rückschluss auf die Grössenordnung der Auswanderung erlaubt die räumliche Organisation der Zermatter Familien im Jahr 1476. In der bereits erwähnten Urkunde werden 182 Familien, beziehungsweise Haushaltungen, aufgezählt, also einige Hundert Bewohnerinnen und Bewohner – Leo Meyer spricht von 782 Personen. Auch eine neuere Schätzung durch Hans-Robert Ammann tendiert zu einer ähnlichen Grössenordnung, indem er die 182 Familien mit Koeffizient 3 oder 4 multipliziert, was 543 oder 724 Bewohner ergäbe, die nach der Auswanderungswelle immer noch in Zermatt wohnhaft waren.

Kehren wir zurück zu den politischen Verhältnissen. Die Zermatter hatten sich inzwischen selbstständig zu organisieren begonnen. Im Wallis werden seit dem 13. Jahrhundert immer mehr genossenschaftliche Gründungen fassbar, mit denen sich die Bauern an den jeweiligen Orten zusammenschlossen. Sie regelten nicht nur die Bewirtschaftungsweisen und die Rechte und Pflichten. Aus diesen Korporationen erwuchs auch eine politische Kraft, die zur Bildung von Gemeinden führte. Spätestens im 16. und 17. Jahrhundert kaufte man sich von den letzten jährlichen Steuerabgaben los und wurde selbständig. Stolz baute man prächtige Gemeindehäuser.

Diejenigen Zermatter Familien, die sich am frühesten (1538) von den Abgaben loskauften, gaben sich 1540 gemeinsame Statuten und schlossen sich zu einer Gemeinde zusammen. Ihnen folgten 1562 und 1618 weitere Familien, die sich losgekauft hatten und nun einen eigenen Gemeinde- verband gründeten (Statuten 1576 und 1621). Aus den drei Loskäufen gingen drei unabhängige Gemeinden hervor. Jede gab sich eine Verfassung, funktionierte als freies Meiertum und wählte selbständig einen Meier. Er stammte aus den Reihen der Einheimischen, blieb jeweils zwei Jahre im Amt, war Richter und Vorsteher und er oder sein Statthalter konnten Zermatt im Landrat vertreten, modern gesagt, in der Kantonsregierung der Republik Wallis. Erst 1791 schlossen sich die bisherigen Gemeinden und Viertel zu einer einzigen Gemeinde zusammen. Wir haben hier eine Art „Kleinfusion“ vor uns, wie sie in der Zeit zwischen 1700 und 1800 hie und da im Wallis vorkommen und die bis ins 20. Jahrhundert bleibenden Gemeindegebiete bilden. Noch 1798, damals zählte Zermatt etwas über 400 Bewohner, gab es rund um das Dorf elf bewohnte Weiler. Es sind die Weiler Zur Matt, Mutt, Furi, Blatten, Bächen, Findelen, Winkelmatten, Steinmatten, Ried, Howeten und zem Biel (erstaunlicherweise fehlt zem See, das vielleicht bei Furi mitgerechnet wurde). Hundert Jahre später, 1892, zählte man immer noch sieben bewohnte Weiler.

Die neuere Geschichte Zermatts streifen wir nur kurz und erinnern an den Bau der ersten Herberge, die 1838 durch den Arzt J. Lauber eingerichtet wurde und 1839 bei der Eröffnung lediglich drei Betten zählte. Erst 1850 kam der „Hotelkönig“ Alexander Seiler nach Zermatt, 1852 wurde das Hotel Mont Cervin eröffnet, das sogenannte Golden Age des Alpinismus brach an. Mit der Besteigung des Matterhorns und dem dramatischen Unglück beim Abstieg wurde das Matterhorn 1865 ein international berühmter Berg und Zermatt in der Folge weltweit bekannt. Das Dörflein wuchs zur kleinen Stadt heran und verleibte sich die nahen Weiler ein. Als eigene Siedlungen blieben bis auf den heutigen Tag die Weiler Blatten, Zum See, Furi, Findeln, Zmutt und Ried. Hier blieben mehrere altertümlich anmutende Gebäude erhalten, deren Alter jedoch mangels Inschriften und Jahreszahlen bisher unbekannt war. Nun datiert die Analyse der Holzjahrringe sie überraschend ins Spätmittelalter. Die Gebäude zwischen Zermatt und Zmutt und im Aroleyt aus der Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts sind hier nun erstmals publiziert. Weitere Kulturwege sollen in Zukunft auch die anderen Weiler mit ihrer wertvollen Bausubstanz der Öffentlichkeit bekannt machen und damit einen wichtigen Beitrag leisten zu einem bisher wenig erforschten Aspekt der Zermatter und der Walliser Geschichte.

Die Auswanderung der Zermatter ins Val d'Hérens ab dem 14. Jahrhundert

Erst willkommen – dann unerwünscht

Schon seit Menschengedenken bestand zwischen Zermatt und dem Val d’Hérens (Eringertal) eine enge, kirchliche wie familiäre Beziehung. 

So ist es nicht verwunderlich, dass gerade zur Zeit der hochmittelalterlichen Klimagunst eine Wanderbewegung von Zermatt über den Col d’Hérens (Eringerpass) in Richtung Val d‘Hérens einsetzte. Der Col d’Hérens spielte laut Forschern wie Alfred Lüthi oder Friedrich Röthlisberger schon in der Römerzeit als Übergang vom Rhonetal via Theodulpass ins Aostatal eine wichtige Rolle. Hans-Robert Ammann, ehemaliger Staatsarchivar in Sitten, konnte in intensiver Forschung im Val d‘Hérens zahlreiche Geschlechter mit Zermatter Ursprung nachweisen.

Die Auswanderer liessen sich zuerst oberen Teil des Tales nieder, vorab in Evolène oder St. Martin, wo sie weiterhin als Bergbauern lebten. Manche zogen auch weiter ins Rhonetal bis nach Brämis und Sitten. Vor allem die kleine Bischofsstadt, die so ganz anders war als ihr einfaches Bergdorf, übte eine grosse Anziehungskraft aus.

Die neu Eingewanderten verdienten dort ihren Lebensunterhalt als Handwerker und Kaufleute. Viele wurden in dort ins Burgerrecht aufgenommen, kamen zu Ansehen und Reichtum und bekleideten nicht selten wichtige politische Ämter. 1446 befanden sich unter den Landratsboten der Stadt Sitten sechs ehemalige Zermatter. Aus notariellen Akten ist bekannt, dass die reichen Auswanderer ihr Leben lang die Beziehungen zu ihrer Urheimat weiter pflegten. Sie behielten ihrer Güter, vergrösserten ihren Besitz und kehrten mindestens einmal im Jahr nach Zermatt zurück.

Wann genau diese Einwanderungswelle einsetzte, lässt sich nicht feststellen. Sicher ist, dass zwischen 1420 und 1460 in der Region Ering, Sitten und Siders die meisten notariellen Akte mit rund 65 Familiennamen aus Zermatt anzutreffen sind. Möglicherweise fanden die ersten Einwanderungen schon in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts statt, und Willermus Perreti von Eyson, der 1381 unter den Männern der Gemeinde St. Martin aufgelistet wird, könnte der erste Zermatter sein. Die Perren sind im Val d‘Hérens schon in der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts nachgewiesen.

Im XV. Jahrhundert waren die initiativen und arbeitsamen Einwanderer im Val d‘Hérens offenbar willkommen. Ab ca.1520 manifestierte sich dagegen der Wille einer Abschottung gegenüber fremden Zuwanderern. 1527 in Evolène, 1543 in Brämis, 1558 in Mase oder 1603 in Nax erliessen die Gemeinden strenge Statuten und Richtlinien.  Sie verboten den Verkauf und die Benutzung von Gemeindeland durch Fremde. Ja sogar das Aufnehmen und Beherbergen von sogenannt unnützen Einwohnern (incolae) wurde untersagt. Dieses Misstrauen aus demographischen und wirtschaftlichen Gründen, gepaart mit dem Vorstossen der Gletscher, brachte im XIV. Jahrhundert die Einwanderung von Zermattern ins Val d‘Hérens allmählich zum Erliegen.

Der Gründe für die Auswanderung

• Bevölkerungswachstum, Probleme mit der Selbstversorgung

• Nahrungsmangel, Naturkatastrophen, Missernten

• Handelsbeziehungen

• Arbeit in fremden Diensten, Vergrössern des Besitzes, Beschaffung von Kleidern und Nahrungsmitteln

• Persönliche Gründe: Konflikt mit dem Gesetz

• Berufliche Gründe: Weiterbildung 

• Abenteuerlust, Kriegsdienste, Söldnerwesen

• Steuerdruck, zu hohe Abgaben (für Zermatt wohl nicht so wichtig)

 

Text: Hans-Robert Ammann

Bearbeitung: Klaus Julen

Die Bewässerung

Das ausgedehnte Wiesland auf dem Gemeindegebiet musste jedes Jahr künstlich bewässert werden, da normalerweise in den Monaten Mai und Juni nicht genügend Niederschläge fielen. So entstand rund um Zermatt ein weitverzweigtes Bewässerungsnetz, Wasserleiten genannt. Man nützte jede Wasserquelle, vor allem die Gebirgsbäche: Findelbach, Furggbach, Zmuttbach und Triftbach. Eine Nutzung des Gornerbaches war in diesem Jahrhundert wegen des Rückzuges des Bodengletschers nicht mehr möglich: Der Bach floss bis nach Schweigmatten durch eine tief eingeschnittene Schlucht.

Aber auch die kleineren Bäche gaben teilweise recht ergiebige Wässerwasser, während die Schmelzwasser oft schon im Juni versiegten. Man bevorzugte das Gletscherwasser. Es führte feinen Schlamm, die Litta, mit und lagerte ihn auf den Wiesen ab. Damit wurde die Matte gleichzeitig gedüngt.

Der Zmuttbach

Die Bewässerung des Gebietes im Mutt und auf/unter der Aroflüe war nicht immer einfach. Es war infolge der tiefen Schluchten nicht möglich, das Wasser vom Zmuttbach zu den Wiesen zu leiten. Im Frühjahr konnte vorerst das Schmelzwasser der beiden Bachteln genutzt werden. Da aber die ganze Region sehr sonnig ist, versiegten diese Bächlein schon früh. Es blieben nur noch die Quellen im Distelgufer auf über 2600 m Höhe. Die Unterhaltsarbeiten waren nicht ungefährlich, lag doch auf dieser Höhe im Frühjahr oft noch Schnee. Auch ging in der Rinne des Mittelzugs recht viel Wasser verloren. Hin und wieder kam es vor, dass das Bächlein sich einen Weg durch den Wiissen Zug suchte. Es floss südlich der Kalbermatte zu Tale, fernab von jeder Wasserleitung. Dann mussten die Männer zum Distelgufer hochsteigen und diesen Lauf durch Erde und Steine abdichten, man musste beschejbe, wie es in der Mundart hiess. Doch blieb das Distelwasser über viele Jahre hinweg die einzige Wasserquelle. 

Die Muttwasserleita führte also von den Bodmen ins Mutt und bis in die Region Aroflüe. Auf diesem langen Teilstück versickerte viel Wasser. Als nach dem endgültigen Abschmelzen des kleinen Distelgletschers kaum mehr Wasser in die Bodmen floss, baute man Mitte der fünfziger Jahre eine Rohrleitung hin zum Zmuttbach. Sie begann südlich der Kalbermatte. Ironischerweise, so erzählte es Medard Inderbinen (*1911), wurde sie nur eine halbe Stunde gebraucht. Die Leitung senkte sich in den Moränen der Innru Furini, der Zmuttbach schwemmte Sand und Geschiebe von der Fassung her in die Leitung und verstopfte sie. Man sah dann von einer Wiederinstandsetzung ab. Da aber die Bergschaft Zmutt bis heute landwirtschaftliche genutzt wird, erstellte die Gemeinde 1992 für die Gegend im Mutt und auf der Aroflüe eine Wasserleitung mit Sprinkleranlage, die eigens der Bewässerung der Wiesen dient. 

Text: Klaus Julen

Literaturnachweis

Bereich Dendrochronologie und Klimaforschung zum Wallis (Auswahl):

1975 

Friedrich Röthlisberger: Blümlisalpsagen und Gletscherpässe im Raum Zermatt – Ferpecle – Arolla. Zürich 1975.

1976

Friedrich Röthlisberger: 8000 Jahre Walliser Gletschergeschichte. Verlag SAC. Bern 1976.

2003

Ulf Büntgen, Martin Schmidhalter, David C. Frank, Kirstin Treydte, Burkard Neuwirth, Mathias Winiger: Using recent and historical larch wood to build a 1300-year Valais-chronology. In: E. Jasma et al.: Proceedings International Conference TRACE. Utrecht, May 1–3, 2003, S. 85–93.

2006

Ulf Büntgen, Ignaz Bellwald, Hans Kalbermatten, Martin Schmidhalter, David C. Frank, Henning Freund, Werner Bellwald, Burkard Neuwirth, Marcus Nüsser and Jan Esper: 700 years of settlement and building history in the Lötschental, Switzerland. In: Erdkunde. Archiv für wissenschaftliche Geographie, 60, 2006, S. 96–112.

Mathias Seifert, Martin Schmidhalter: Dendrochronologie in Gletschern, Mooren und Moränen. Ein alpiner Jahrringkalender für Archäologie und Klimaforschung. In: Archäologie der Schweiz 4, 2006, S. 24–31.

2009

Hanspeter Holzhauser: Auf dem Holzweg zur Gletschergeschichte. In: Hallers Landschaften und Gletscher. Beiträge zu den Veranstaltungen der Akademien Schweiz 2008 zum Jubiläumsjahr

„Haller300“ in Bern. Sonderdruck aus den Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern, Neue Folge, 66, 2009, S. 173–208.

2010

Werner Bellwald: Spätmittelalterliche Holzbauten im Wallis. Ein aktueller Forschungsbericht. In: Kunst + Architektur in der Schweiz, 1, 2010, S. 14–19.

2011

Werner Bellwald et al.: Holzjahrringe und ihre Aussagekraft. Aufschlussreiche Resultate für die Walliser Bauernhausforschung/Datation par les cernes du bois. Contribution à la connaissance de la maison rurale du Valais. In: Die Bauernhäuser des Kantons Wallis/Les maisons rurales du Valais. 15.1, Basel 2011, S. 547–574.

2018

Werner Bellwald: Der Oberwalliser Wohnbau in Spätmittelalter und Neuzeit. Das Beispiel Schnydrighaus in Mund, Gemeinde Naters. In: Die Schweiz von 1350 bis 1850 im Spiegel archäologischer Quellen (SPM, Akten des Kolloquiums Bern, 25.–26.01.2018). Basel 2018, S. 139–146.

2021

Christian Pfister und Heinz Wanner: Klima und Gesellschaft in Europa: die letzten tausend Jahre. Bern 2021.

 

Zur Geschichte und Kultur von Zermatt (Auswahl):

1870

Joseph Ruden: Familienstatistik der löblichen Pfarrei von Zermatt mit Beilagen. Ingenbohl 1870.

 

1922

Leo Meyer: Zermatt in alten Zeiten. Eine geschichtliche Studie. In: Jahrbuch des Schweizer Alpenclubs , 57, 1922, S. 241–280.

1927

Stanislaus Kronig: Familienstatistik und Geschichtliches über Zermatt. Ingenbohl 1927.

1934

Leo Meyer: Ortsartikel Zermatt. In: Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz. Neuenburg 1934, S. 647–648.

1942

Werner Kämpfen: Ein Burgerrechtsstreit im Wallis. Zürich 1942.

1951

Albert Julen: Die Namen von Zermatt und seinen Bergen im Lichte der Geschichte. In: Blätter aus der Walliser Geschichte, XI./1951, S. 3–58.

1977

Rudolf Taugwalder-Sarasin: Aroleit. Ein Stück Alt-Zermatt, o.O. 1977.

1978

Alfred Lüthi: Zermatt und die Hochalpenpässe. Eine geländearchäologische Untersuchung. In: Blätter aus der Walliser Geschichte XVII./1978, S. 9–134.

1980

Alfred Lüthi: Nochmals der Theodulpass. In: Blätter aus der Walliser Geschichte XVII./1980, S. 343–356.

1982

Karl Lehner: Zermatter Sagen und Legenden. Unveränderte Neuauflage, Brig 1982.

1985

Georg Julen: Wörterbuch der Zermatter Mundart. Brig 1985.

1990

Karl Lehner: Kleine Zermatter Chronik. 7. Auflage, Zermatt 1990.

Georg Julen: Dorfrundgang und Geschichte von Zermatt. Zermatt 1990.

1991

Georg Julen: Burgergeschichte von Zermatt – Pratoborni. Zermatt 1991.

1992

Hans-Robert Ammann: L’émigration proche dans les Alpes valaisannes au XVe siècle: L’exemple de Zermatt. In: Vallesia XLVII/1992, S. 251–287.

1993

Klaus Julen, Oswald Perren, Alex Taugwalder, Leo Schuler, Rudolf Taugwalder: Orts- und Flurnamen der Gemeinde Zermatt. Zermatt 1993.

1995

Klaus Julen, Oswald Perren, Alex Taugwalder, Leo Schuler, Ivo Kronig: Orts- und Flurnamen der Gemeinde Zermatt. Brig 1995.

Alain Gallay, Philippe Curdy, Sébastien Favre et al.: Dans les Alpes, à l’aube du métal. Kantonsmuseen Wallis, Sitten 1995.

1998

Klaus Julen, Oswald Perren: Eine Vergessene Welt – die Berglandwirtschaft in Zermatt. Visp 1998.

2005

Olivier Paccolat, avec une contribution de Philippe Curdy: Zermatt. Plateau de Furi. Fouilles archéologiques 1987–2003. Sion 2005.

2008

Hanspeter Holzhauser: Der Vorstoss des Gornergletschers von 1791 bis zum Hochstand um 1859 im Spiegel historischer Bild- und Schriftquellen. In: Bulletin für angewandte Geologie 13/2, 2008, S. 43–58.

2009

Bernard Truffer: Ortsartikel Mattertal. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Basel 2009, 374.

2010

Hanspeter Holzhauser: Zur Geschichte des Gornergletschers. Ein Puzzle aus historischen Dokumenten und fossilen Hölzern aus dem Gletschervorfeld. Geographica Bernensia G84. GIUB, Bern 2010.

2013/14

Hermann Julen: Zermatter Flurnamen und ihre Geschichte(n). Maturaarbeit, Brig 2013/2014.

2014

Bernard Truffer: Ortsartikel Zermatt. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Band 13, Basel 2014, S. 689–690.

2015

Roland Flückiger-Seiler: Streiflichter zur Hotel- und Tourismusgeschichte von Zermatt. In: Blätter aus der Walliser Geschichte 2015, S. 139–248.

2021

Carmela Kuonen Ackermann: Die Kapelle der heiligen Katharina im Mutt. Unpubl. Manuskript, 5 S.

2023

Carmela Kuonen Ackermann: Texte zu den Kapellen Furi, zum See und Blatten. Unveröffentlichtes Manuskript, 2023.

Da die Untertitel für Fotos in dieser Website – Programm in der Länge beschränkt sind, finden Sie sämtliche Bildnachweise dieser Internetseite im gedruckten Buch.

Dank

Dieser Wanderführer und die Kulturwege wurden realisiert mit finanzieller Unterstützung der Kultur- und Sozialstiftung der Burgergemeinde Zermatt,  der Kulturkommission der Einwohnergemeinde Zermatt, der Kantonalen Denkmalpflege, der UBS Kulturstiftung, der Loterie Romande und Zermatt Tourismus.

Ohne die anfängliche Initiative von René-Michael Biner und ohne die aktive Mitarbeit durch Martin Schmidhalter, Werner Bellwald, Klaus Julen, Othmar Perren, Viktor Perren, Nicola Erpen und Josi Taugwalder wäre dieses Projekt nicht zustande gekommen; ihnen allen gebührt unser grosser Dank.

Idee und Begleitung: René-Michael Biner, Klaus Julen, Othmar Perren,

Viktor Perren, Nicola Erpen und Josef Taugwalder

Dendrodatierungen: Martin Schmidhalter (Dendrosuisse, Labor für

Dendrochronologie, Brig)

Texte und Recherchen: Werner Bellwald, Klaus Julen

Fotografien: Werner Bellwald, Martin Schmidhalter, Nicola Erpen, René-Michael Biner, Viktor Perren, Othmar Perren

Bildarchive: Uli Kämpfen (Brig), René-Michael Biner (Zermatt)

Themenbeiträge und Auskünfte: Iwar Werlen, Germanist (Bern), Hans-Robert Ammann, Historiker (Sitten), Philipp Kalbermatter, Historiker (Turtmann), Philippe Curdy, Archäologe (Sitten), Carmela Ackermann Kuonen, Kunsthistorikerin (Liebefeld), Urs Leuzinger, Archäologe (Frauenfeld), Hanspeter Holzhauser, Glaziologe (Zürich)

Grafiken: Uwe Börst (Los Angeles) Peter Schaad (Rheinfelden)

atelierruppen, Hans Ruppen, Turtmann

Lektorat: Philipp Kalbermatter, Hans Kalbermatten, Carmela Ackermann Kuonen, Urs Leuzinger, Hans-Robert Ammann

Gestaltung und Satz: Werner Bellwald und Hans Werz

Zermatt Bergbahnen

Werkhof Gemeinde Zermatt

 

Ganz vieles entstand in Fronarbeit und unentgeltlich.

Allen Beteiligten dafür nocheinmal ein herzliches Dankeschön!

Engagement der Gemeinde

Erhaltung der Nutzbauten rund um Zermatt.  Von Klaus Julen

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als in den Mangeljahren manche Familie froh war um die Erträge aus der eigenen Landwirtschaft, und mit dem Einsetzen der Hochkonjunktur gingen die bäuerlichen Arbeiten in den 1950er und 1960er Jahren rapide zurück. Spätestens in den 1990er Jahren musste die letzte Generation, die nebenbei noch eine traditionelle Kleinlandwirtschaft führte, die Betriebe altershalber aufgeben. Die vielen Nutzbauten im Dorf, in den Weilern, weitherum in der Landschaft standen damit leer. Der Zerfall setzte sichtbar ein.

 

Deshalb verfolgten Theodor Welschen (1908–1995), Präsident des Kurvereins, und Constant Cachin (1921–1986), erster Kurdirektor im Matterhorndorf, schon in den frühen 1960er Jahren ein gemeinsames Ziel: Sie wollten diese Zeugen der bäuerlichen Lebensweise der Nachwelt erhalten. So beauftragten sie die Gebrüder Guido (1930–2017) und Basil (*1942) Biner, Zimmerleute in Zermatt, die Bauten wieder soweit in Stand zu setzen, dass sie nicht zerfallen konnten. Die beiden Brüder sanierten bereits in den 1960er Jahren mehrere Stadel und Speicher im Dorf, in Winkelmatten, auf den Herbrig und im üssre Mutt den sogenannten

„Siichuschtadl“ – mehrere Bauten waren erfolgreich vor dem Zerfall gerettet.

 

1972 ergriffen die drei Zermatter Hermann Biner (*1938), Guido Burgener (*1937) und Cäsar Julen (1932–2021) die Initiative. In Fronarbeit sanierten sie zusammen mit einem Dachdecker aus dem Saastal während zwei Jahren im Mutt (Zmutt) weitere Stadel. Vor allem bei Stadeln, in geringerem Masse bei Speichern gibt es viele Eigentümer und es war fast unmöglich, diese zum Unterhalt der Gebäude zu bewegen. Daher setzten sich die Initianten mit dem damaligen Gemeindepräsidenten, Dr. Siegfried Julen (1914–1979), in Verbindung und fanden bei ihm ein offenes Ohr. Seit 1975 deckt die Gemeinde auf eigene Kosten die Stadel, Speicher und seit den 1990er Jahren auch Stallscheunen der sogenannten Stalldörfer wie Hubel, Egge, Balmen und Bodmen, aber auch entlang der viel benutzten Wanderwege.

Wenn nötig, werden im Zuge dieser Arbeiten auch das Fundament bzw. der Unterbau (Stützel) der Stadel und Speicher erneuert. So konnten in den vergangenen 60 Jahren weit über 100 landwirtschaftliche Bauten gerettet werden.

 

Allen Beteiligten, die sich durch all die Jahre hindurch für die Erhaltung der landwirtschaftlichen Gebäude engagierten, speziell den zahlreichen Gemeinderäten und -rätinnen, den Präsidenten und der aktuellen Präsidentin, gebührt im Namen der Bevölkerung wie der Gäste ein grosses Lob und ein Dank. Ohne das kontinuierliche finanzielle Engagement der Gemeinde wäre dieses beachtliche Resultat nie möglich gewesen.

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